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Neuerscheinung
Thomas Haye:
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Kunstquartier Innenstadt
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KAZ / Junges Theater
Das Gedächtnis einer Stadt
Neue Projekte in der Soziokultur
„Das Gedächtnis einer Stadt“ heißt der Titel eines Kooperationsprojekts von KAZ und Jungem Theater. Das Projekt wird vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur mit 7.000 Euro und von der Stiftung Niedersachen mit 10.000 Euro gefördert. „Das Gedächtnis einer Stadt“ ist eines von 23 ausgewählten Projekten zur Unterstützung neuer und kreativer künstlerischer Projekte in der Soziokultur.

Kreative Wirkstätte: KAZ / Junges TheaterFoto: vs

„Mit diesem Programm setzen wir kreative Impulse in der Soziokultur und geben Raum für neue ästhetische Formate, sprechen andere Zielgruppen an und beziehen verschiedene Medien ein. Das spiegeln auch die ausgewählten Projekte wieder, die mit unterschiedlichen Ansätzen aktuelle Themen wie beispielsweise die Integration von Zugewanderten und veränderte Lebenswelten bearbeiten“, erklärt die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajić.

Ziel des Programms ist es, experimentelles bis avantgardistisches Arbeiten zu fördern, Kooperationen und spartenübergreifende Modelle zwischen den Künsten zu erproben sowie neue künstlerische Formate zu entwickeln. Gerd Dallmann, Geschäftsführer der LAGS: „Der neue Förderschwerpunkt hat die Projektträger zu mehr Wagnis und Experiment eingeladen und ermöglicht inspirierende Impulse und Formate in der soziokulturellen Arbeit.“

Das Experiment ist eine revueartig angelegte Stadtraumperformance, die am 20. Mai 2017 auf dem Wochenmarktplatz, im KAZ und Jungen Theater uraufgeführt werden soll. Das Theaterstück „Vineta“ von Jura Soyfer dient als Ausgangspunkt. Die dort aufgeworfenen Leitthemen – Stadt und Erinnerung, Gedächtnis und Zukunftsgestaltung – sollen künstlerisch, mit professioneller Begleitung durch das Junge Theater, umgesetzt werden. KAZ Tanz- und Musikgruppen sowie Menschen die Lust haben Theater zu spielen, sollen an der Aufführung mitwirken. „Wir sind optimistisch, dass wir 200 Mitwirkende für das Projekt gewinnen können“, so Tobias Sosinka, Künstlerischer Leiter des Jungen Theaters. „Ob für ein paar Stunden, eine Woche, einen einzelnen Auftritt oder als Dauerteilnehmer, alle interessierten theaterbegeisterten Göttinger sind herzlich eingeladen am Projekt mitzuwirken“, sagt Anne Moldenhauer, Geschäftsführerin des KAZ.
KAZ und Junges Theater starten das Projekt Experiment mit einer Einführung am 22. September um 18.30 Uhr im Jungen Theater.

 

Kunstquartier Innenstadt
Wettbewerb entschieden – Widerstand wird stärker
Piraten: Göttinger Bevölkerung beteiligen / CDU/FDP gegen „Betonklotz“
1. Preispdg — Der Architektenwettbewerb für den Neubau des Ausstellungsgebäudes in der südlichen Innenstadt Göttingens ist beendet. Die Juroren des Preisgerichts haben am 18. April in einer mehrstündigen Sitzung über die in einem Wettbewerb eingereichten Vorschläge für den Neubau des Galeriegebäudes entschieden. Neben Architektur- und Kunstexperten aus ganz Deutschland waren auch Vertreter des Fördermittelgebers vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in Bonn und der Stadtverwaltung in das Preisgericht berufen.

Nach intensiven Beratungen sprach sich die Jury einstimmig für den Entwurf des Planungsteams Atelier30 Architekten GmbH, Kassel aus (rechts). Insgesamt wird der Entwurf den Anforderungen der Stadt Göttingen an das Nutzungskonzept und die städtebauliche Integration in hohem Maß gerecht. „Die architektonische Idee, die Körnigkeit des Bestandes auch in der Fassadenstruktur aufzunehmen, ist durch die Beachtung der Traufhöhen der Nachbargebäude, die Einfachheit der monolithischen Betonstruktur und seiner Materialität in Stampfbeton gelungen“, heißt es in der Begründung. Gewürdigt wurde insbesondere die Kompaktheit der Gebäudeerschließung sowie der Gegensatz zwischen geschlossener Fassade und der interessanten Eingangssituation, die Transparenz zum Ausstellungsbereich schafft. Der erste Preis ist mit 17.000 Euro dotiert.

2. und 3. PreisDer zweite Preis (links, 10.200 Euro) wurde dem Planungsteam Atelier ST Gesellschaft von Architekten mbH, Leipzig, zugesprochen. Hier sah die Jury einen atmosphärisch wie auch funktional bestechenden Entwurf, der einerseits ein Speicherhaus mit spezifischem Charakter für die introvertierte Museumsnutzung und andererseits einen unaufgeregten Stadtbaustein in der Düsteren Straße darstellt. Der dritte Platz (rechts, 6.800 Euro) ging an Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten BDA, Nürnberg, mit einem Entwurf, der konzeptionell überzeugte, aber im architektonischen Ausdruck umstritten blieb.

Die Entscheidung der Juroren ist eine Empfehlung an die Stadt Göttingen ohne bindende Wirkung für die spätere Auftragsvergabe. Voraussichtlich noch vor den Sommerferien soll in einem nachfolgenden Verhandlungsverfahren einer der Preisträger für eine Auftragserteilung nach der Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen (VOF) ausgewählt und beauftragt werden. Bereits im Oktober 2015 war im Amtsblatt der Europäischen Union angekündigt worden, dass die Stadt Göttingen beabsichtigt, einen Architektenwettbewerb für die Konzeption eines Ausstellungsgebäudes auszuloben. Fünf Teilnehmer waren vorab ausgewählt worden, 54 weitere Planungsteams hatten rechtzeitig ihr Interesse an einer Teilnahme bekundet. Aus diesen Bewerbern wurden unter notarieller Aufsicht zusätzlich weitere zehn Teilnehmer ausgelost. Am 6. Januar folgte der Versand der Auslobungsunterlagen an 15 Architekturbüros. Die Auslobung erfolgte als nichtoffener Wettbewerb gemäß der Richtlinie für Planungswettbewerbe RPW 2013 nach einem vorgeschalteten Bewerbungsverfahren. Bis zum 17. März mussten alle Beiträge.V.rliegen. Die Einreichungen erfolgten anonym.

Das Ausstellungsgebäude soll maßgeblicher Impulsgeber zu einer qualitativen und zukunftsfähigen Entwicklung in der südlichen Innenstadt sein. Das Projekt wird mit Finanzmitteln des Bundesbauministeriums aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ gefördert. Ausgezeichnet und unterstützt werden Bauvorhaben mit besonderer nationaler Wahrnehmbarkeit, hoher Qualität, überdurchschnittlichem Investitionsvolumen oder hohem Innovationspotenzial.

Piraten: Billig aussehende fensterlose Fassaden wie in jedem Gewerbegebiet
Die Göttinger Piraten erneuern angesichts der Siegerentwürfe ihre Kritik am Verfahren. Insbesondere die unausgewogene Zusammensetzung der Jury, deren Kompetenz sie mittlerweile bezweifeln, und das Fehlen jeder Mitwirkungsmöglichkeit der Bevölkerung stehen in der Kritik. In den meisten Entwürfen werde die traditionelle Bauweise in der historisch geprägten Innenstadt in keiner sichtbaren Weise gewürdigt. Fast alle Büros, so die Partei, hätten gezeigt, dass sie nicht mit historischen Baumaterialien arbeiten können und mit der Aufgabe nicht umgehen konnten, einen fensterlosen Bau so zu gestalten, dass er sich in die jahrhundertealte Stadt einfügt. „Die CDU, die heute Krokodilstränen über die schlechte Jury-Entscheidung vergießt, lehnt es jedoch nach wie vor ab, die Bevölkerung an den Entscheidungen zu beteiligen. Stattdessen wird dem Rot-Grün dominierten Stadtrat alleine das Feld überlassen“, reagieren Sie auf die inzwischen erfolgten Einlassungen der CDU/FDP-Ratsgruppe (siehe weiter unten) zu dem Bauvorhaben.

Auch die im Stadtrat geäußerte Kritik an einer fensterlosen Fassade wurde seitens der Jury ignoriert. Billig aussehende fensterlose Fassaden wie in den Siegerentwürfen 1 und 2 fänden sich in jedem Gewerbegebiet. Dem Begriff „Kunstquartier“ werde dieser Wettbewerb deshalb nicht gerecht. „Wenn wir jedes Fachwerkhaus, das abgerissen wird, durch eine Architektur in einem Baustil ersetzen, wie er in Gewerbegebieten üblich ist, dann bekommen wir am Ende eine Innenstadt, die genauso viel touristische Attraktivität bietet wie ein Gewerbegebiet“, so Francisco Welter-Schultes. „Eine Stampfbetonfassade gehört nicht in eine historische Fachwerk-Innenstadt.“

Es stelle sich immer mehr die Frage, warum Göttingens historischer Stadtkern nicht endlich wirksam unter Ensembleschutz gestellt und vor der fortschreitenden Zerstörung bewahrt werde. Fachwerkhäuser sollten nur noch durch neue Fachwerkhäuser ersetzt werden dürfen. Dringend müssten Vorschriften für eine dem historischen Erbe würdige Fassadengestaltung erlassen werden.

Unterdurchschnittlich schlecht schnitten die fünf gesetzten Büros ab, die am Losverfahren vorbeigeschleust wurden. Insbesondere sehen sich die Göttinger Piraten in ihrer im Vorfeld geäußerten Kritik an der Bevorzugung des Büros Pascolo aus Venedig bestätigt, da dieses Architekturbüro ohne Erfahrung mit historischen Baumaterialien einen der unattraktivsten Entwürfe.V.n allen abgeliefert hat, in reiner Betonarchitektur.

Die Göttinger Piraten fordern, die Fassadengestaltung noch einmal auszuschreiben, mehr Büros zuzulassen und in einer repräsentativen Umfrage die Göttinger Bevölkerung selbst als Jury zu beteiligen. Dass bei jedem neuen Bauprojekt immer nur ein und derselbe Insiderkreis über das zukünftige Aussehen einer Stadt entscheidet, in der tausende.V.n Menschen sich wohlfühlen möchten, empfinden die Piraten immer mehr als zutiefst undemokratisch.

CDU/FDP-Gruppe gegen „Betonklotz“
Einhellig hat sich die CDU/FDP-Ratsgruppe gegen den Siegerentwurf für das KuQua-Galeriegebäude ausgesprochen, einen vom Keller bis zum Dachfirst monolithischen Baukörper aus Stampfbeton. Weiter kritisieren die Ratspolitiker, dass sie selbst und die Bürgerschaft auf das weitere Verfahren angeblich keinerlei Einfluss mehr haben werden, auch wenn die Verwaltung derzeit alle fünfzehn Entwürfe des Wettbewerbs im Foyer des Neuen Rathauses präsentiert.

„Hier kann jeder hautnah die Unterschiede zwischen bloßer Bürgerinformation, sogenannter Bürgerbeteiligung und tatsächlicher Mitbestimmung erleben“, kommentiert Dr. Hans-Georg Scherer das von Stadtbaurat Thomas Dienberg forcierte kombinierte Wettbewerbs- und Vergabeverfahren. Auch bei erneuter Durchsicht der vorbereitenden Rats- und Ausschussprotokolle könne der seitens der Verwaltung vorgebrachte, angebliche Zwang zur Verwirklichung des Betonklotzes nicht nachvollzogen werden. Man frage sich – falls dies überhaupt so sei – wieso die Verwaltung ein Verfahren betreibt, in dem sie gezwungen ist, solch ein Monstrum verwirklichen zu müssen. Die CDU/FDP-Gruppe lehnt den Entwurf strikt ab, sie fordert vielmehr eine Abstimmung der Bürgerschaft über die Entwürfe. Als Termin würde sich der 11. September anbieten, wenn die Bürgerinnen und Bürger zur Kommunalwahl gehen.

„Zwischen das vergleichsweise winzige Grass-Archiv aus dem Jahr 1300 und das marode alte Tuchmacherhaus aus dem 15. Jahrhundert einen solchen Baukörper zu quetschen – das erfordert schon mehr als Mut“, meint auch Hans Otto Arnold, der bau- und planungspolitische Sprecher der Gruppe. „Da hilft auch nicht die gedankliche Krücke von Verleger Steidl, der versuchte, eine direkte Parallele von Stampflehm zu Stampfbeton zu ziehen.“

Doch gehe es nicht nur um die direkte Nachbarschaft, sondern um die gesamte Düstere Straße und das Nikolai-Quartier. So wird an der Ecke zur Turmstraße ein turmartiger Neubau des Schweizer Architekten Zumthor realisiert werden, allerdings unter Verwendung alter Ziegel. „Auch in Betrachtung des künftigen Gesamtensembles wird der fensterlose KuQua-Betonbau so über Jahrzehnte einen Fremdkörper im Quartier bilden“, meint Arnold.

Die CDU/FDP-Gruppe will deshalb die Bürgerschaft zu kritischen Stellungnahmen ermutigen. Vielleicht lasse sich ja „mit vereinten Kräften“ doch noch etwas bewegen.

Widerspruch von der SPD
Die SPD-Ratsfraktion wiederum kann diese Einschätzung nicht teilen. Sie steht „voll und ganz“ hinter der Entscheidung des Preisgerichtes und begrüßt den Sieger-Entwurf. Es handele sich eben nicht um einen „monolithischen Block“ – das Gebäude sei aus ganz unterschiedlichen Materialien, meint die baupolitische Sprecherin der Fraktion, Sylvia Binkenstein. Durch die unterschiedlichen Materialien entstehe ein abwechslungsreiches Fassadenbild. Der Stampfbeton wird mit verschiedenen Materialien versetzt, Glaskugeln aber auch Plexiglasröhren mit LED-Beleuchtung werden eingebaut. Dies ermögliche eine vielfältige Nutzung der Fassade als wandelbares Textfeld.

Binkenstein: „Das Verfahren wurde im Verwaltungsausschuss am 5. Oktober 2015 beschlossen, nachdem es vorher in einer gemeinsamen Sitzung des Bau- und Kulturausschusses vorgestellt und beraten wurde. Die konkrete Aufgabenstellung mit Kostenvorgaben, dem Raumprogramm etc. wurde in der Sitzung ausführlich dargestellt. Die Entscheidung einem Fachgremium zu überlassen ist die Richtige."

„Das Verfahren war klar und objektiv“, so auch der SPD Fraktionsvorsitzende Frank-Peter Arndt. „Der erste Preis bietet als einziger Entwurf eine offene Passage in den Garten, ohne zuvor den Ausstellungsbereich durchqueren zu müssen. Darüber hinaus gibt es einen Raum für Veranstaltungen im Obergeschoss, der sich über die gesamte Breite des Gebäudes zum Garten hin öffnen lässt. Dieses waren wichtige Kriterien für unsere Entscheidung“, sind sich Arndt und Binkenstein einig.

Das allerdings beantwortet noch nicht die Frage, ob sich das Gebäude auch harmonisch in das gewachsene Stadtbild einfügt.

Plattenbau
 
Seinerzeit „moderne Stadtentwicklung“: Plattenbau in Ilmenau
Foto: Michael Sander

Göttingen bekomme mit dem KuQua ein modernes innovatives Gebäude, beharrt hingegen die SPD, mit neuen Materialien für eine neue Nutzung. Das Gebäude sei ein Gewinn für die Stadt. Dass die CDU/FDP-Gruppe dieses Ergebnis so stark kritisiert, liege einfach daran, dass kein Vertreter der Gruppe an dem Verfahren teilgenommen habe, obwohl allen Fraktionen diese Möglichkeit offen gestanden habe.

„Einen Entwurf zu kritisieren, mit dem man sich nicht intensiv auseinandergesetzt hat, ist leicht, bringt die Stadt aber nicht weiter. Es geht nicht um den persönlichen Geschmack von Herrn Arnold, es geht um moderne Stadtentwicklung“, bekräftigt Binkenstein. Mit diesem Entwurf sei man auf dem richtigen Weg.

Das klingt beinahe so, als sei moderne Stadtentwicklung eine objektive Größe und weder Geschmacksfragen unterworfen noch verhandelbar. Wie sonst hätten sich in früheren Jahrhunderten verschiedene Baustile entwickeln können? Auch die durchaus diskussionswürdigen Ostberliner Plattenbauten der Honecker-Ära galten seinerzeit als moderne Stadtentwicklung.

 

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Neuerscheinung
Thomas Haye: Verlorenes Mittelalter
Cover Verlorenes Mittelalterpug — Warum ist der Großteil der im Mittelalter produzierten Literatur nicht überliefert, sondern untergegangen? Dieser Frage geht Prof. Dr. Thomas Haye in seiner analytischen Monografie „Verlorenes Mittelalter – Ursachen und Muster der Nichtüberlieferung mittellateinischer Literatur“ nach. Der Professor für Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit am Zentrum für Mittelalter- und Frühneuzeitforschung der Universität Göttingen wurde 2015 mit dem „Opus magnum“-Preis ausgezeichnet.
In seinem Buch konzentriert sich Prof. Haye auf die lateinische Literatur des Mittelalters. Tausende lateinische Texte werden in zeitgenössischen Quellen bezeugt, haben jedoch nicht den Weg in die Moderne gefunden. Wie der Autor zeigt, beruhen diese Überlieferungsverluste keineswegs nur auf Zufällen, sondern sie werden häufig durch mentalitätsgeschichtliche, sozialhistorische und kulturelle Faktoren gesteuert. „Dennoch blenden die modernen Literaturgeschichten des Faches die massiven Überlieferungsverluste und ihre kulturellen Hintergründe weitgehend aus und konstruieren ihre Narrative nur auf der Basis des Tradierten“, so Prof. Haye. „Dieser Umstand ist umso bedauerlicher, als der erhaltene Teil keineswegs repräsentativ ist, sondern bestimmte Gattungen, Formen und Themen bevorzugt.“ Das Buch plädiert für die Entwicklung eines neuen Narrativs, in dem neben den erhaltenen Texten auch die nicht erhaltenen angemessen berücksichtigt werden. Prof. Haye hat die nicht überlieferten Texte erstmals als Corpus zusammengestellt und systematisch im Hinblick auf ihre Produktions- und Rezeptionsbedingungen sowie in der Perspektive der Gattungs- und Mentalitätsgeschichte ausgewertet.
Thomas Haye: Verlorenes Mittelalter. Ursachen und Muster der Nichtüberlieferung mittellateinischer Literatur. Brill-Verlag: Leiden / Boston 2016. ISBN 978-90-04-32503-6.

38. Göttinger Jazzfestival
Jazz satt
Jede Menge Jazz an sieben Tagen: vom 31. Oktober bis zum 8. November geben spielfreudige Musiker/innen in Göttingen ihr Bestes, darunter nicht nur Solisten sondern gar ein 17-köpfiges Orchester. Zu hören sein wird nicht nur klassischer, sondern ebenso avantgardistischer Jazz. Neben den schon traditionellen beiden Abenden im Deutschen Theater sind etliche andere Spielstätten mit eingebunden, sogar bei „Kultur im Esel“ in Sülbeck (zwischen Northeim und Einbeck). Eingeladen wurden Gruppen, die zum Teil recht unterschiedliche Musikgenres repräsentieren, etwa die afroamerikanische Jazztradition oder etwa durch Rockmusik, Soul, Weltmusik oder Klassik beeinflusst wurden – mitunter in ungewöhnlicher Instrumentierung. Gäste aus den USA und Deutschland, aus Frankreich, Finnland und Italien, Israel, Kuba und der Schweiz werden erwartet.

Organic QuartetDas Deutsche Theater eröffnet am Freitag mit dem Andromeda Mega Express Orchestra aus Berlin, gefolgt vom Schweizer Quartett New Bag um den Gitarristen Christy Doran. Den Abend beschließt dort das Quarteto AfroCubano des kubanischen Klaviervirtuosen Omar Sosa. Am Samstag beginnt der amerikanische Saxophonist Tony Malaby mit einer Quartettbesetzung, die Tuba und Cello einschließt. Der finnische Pianist Iiro Rantala gibt im Anschluss daran ein Solokonzert, in dem er seinen musikalischen Helden von Bach bis John Lennon Referenz erweist. Schließlich spielt das Organic Quartet (Abb.) um den einstigen Slickaphonics-Posaunisten Ray Anderson.
Zu einem Einzelkonzert im Alten Rathaus wurde das Trio des israelischen Pianisten Omer Klein eingeladen. Die Festival-Partner Esel in Sülbeck, KIM-Kultur, Lumière und Musa ergänzen das Programm mit einem Konzert der Saxophonistin Nicole Johänntgen und dem Trio des französischen Pianisten Rémi Panossian, einem Auftritt des Trios TANN, einem Film über Carlo Bohländer und den legendären Frankfurter Jazzkeller sowie zum Abschluss des Festivals mit einem Konzert der Funkjazz-Band Mo’ Blow.
Vorverkauf ab 1. September u.a. über www.jazzfestival-goettingen.de. Programmhefte liegen an vielen Stellen in der Stadt aus. 

 

 

   
             
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