Globale Ereignisse 2019

<leer>Febr. 2019<leer>Insekten: in 100 Jahren wahrscheinlich verschwunden – Wissenschaftler vom Sydney Institute of Agriculture in Australien haben sich an einer Bestandsaufnahme des weltweiten Insektensterbens versucht. Denn der Artenschwund ist keineswegs auf Deutschland beschränkt, auch wenn eine Krefelder Studie erstmals große Aufmerksamkeit darauf lenkte (vgl. Regional-Meldung vom →Nov. 2018). Aufgrund der gesammelten Daten prognostizieren sie „katastrophale“ Konsequenzen, sollten keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Die Forscher haben mehr als 70 Studien zusammengetragen, die sich insbesondere mit dem Rückgang von Kerbtieren, die wohl artenreichste Klasse von Tieren überhaupt, beschäftigen. Dadurch wurden mehr als 60 Prozent aller beschriebenen Tierarten erfasst. Deutlich wurde, dass alle Ordnungen der Insekten vom Schwund betroffen sind: ein Drittel ist vom Aussterben bedroht und nahezu die Hälfte von ihnen verzeichnet einen starken Rückgang. Die Prognose der Forscher: bei gleichbleibendem Schwund sind Insekten in 100 Jahren wahrscheinlich von der Erde verschwunden.
Besonders dramatisch sei der Schwund bei Schmetterlingen, Hautflüglern (Bienen, Wespen, Hummeln, Schweb- und Florfliegen, Ameisen etc.) und einer Käferart. Dabei sind nicht etwa nur Insekten von der Ausrottung durch den Menschen betroffen, die sich auf besondere Lebensräume spezialisiert haben und diese nun nicht mehr vorfinden, sondern auch viele von den sogenannten „Generalisten“ – Insekten, die sich unterschiedlichen Landschaften gut anpassen können. Wenn es aber sogar diese Generalisten trifft, dann ist dies ein untrügliches Zeichen dafür, dass es mit der Natur generell bergab geht, sie zum todkranken Patienten geworden ist.
Die Forscher aus Australien sehen übrigens – wie kann es anders sein? – die wichtigste Ursache für das weltweite Sterben im Verlust des Lebensraums, hervorgerufen vor allem durch intensive Landwirtschaft und Flächenversiegelung und, als zweitwichtigsten Faktor, im massiven Einsatz von Dünger und Pestiziden, die nicht allein nur „Schädlinge“ töten. Erst dann folgen eingeschleppte Krankheiten; der Klimawandel steht erst an vierter Stelle der Ursachen.
Immer und immer wieder wird in wissenschaftlichen Untersuchungen der Umgang der Landwirtschaft mit dem ihr anvertrauten Allgemeingut Natur als die wesentliche Ursache für Umweltzerstörungen benannt und immer und immer wieder wird dies von Seiten der Verursacher wie auch von Seiten der Politik bagatellisiert.
Quelle: Francisco Sánchez-Bayo, Kris A. G. Wyckhuys: Worldwide decline of the entomofauna: A review of its drivers. Biological Conservation (232), April 2019 (in Vorber.).

<leer>25.01.2019<leer>Straßenbauprojekt im Osten Nigerias gefährdet Regenwald – Die Indigenen Euri in Nigeria schützen seit Generationen den Lebensraum von Gorillas, Schimpansen und Waldelefanten und versuchen mit aller Kraft ein Straßenbauprojekt dort zu verhindern. „Der Bau wäre das Todesurteil für unseren Wald. Wir werden unsere Mutter Erde verteidigen“, so der Umweltschützer Odigha Odigha. Nigeria hat bereits 96 Prozent seiner Wälder verloren. Nun sind auch die letzen Reste in Gefahr.
Unterschriftenkampagne unter https://www.regenwald.org

<leer>21.01.2019<leer>Rückgang von Wäldern führt zu drastischen Verlusten der Vogelartenvielfalt – Eine Studie Göttinger Wissenschaftler in einem etwa 4.000 Quadratkilometer großen Untersuchungsgebiet, das sowohl Schutzgebiete als auch kleinbäuerliche Agrarforstsysteme und industrielle Ölpalmenplantagen aufweist, legt nahe, dass der Waldanteil nicht unter 40 Prozent sinken sollte, wenn drastische Verluste der Vogelartenvielfalt vermieden werden sollen. Die Studie belegt zugleich, dass stark spezialisierte Vogelarten bereits ab Waldanteilen unter 70 Prozent deutlich zurückgehen und durch Generalisten, also Vögeln, die in verschiedenen Lebensräumen zuhause sind, ersetzt werden.
Biological Conservation (2019). DOI: https://doi.org/10.1016/j.biocon.2018.12.001

<leer>19.01.2019<leer>Zugstrecke bedroht Mexikos Regenwälder auf der Halkbinsel Yucatan – Ein Prestigeprojekt des mexikanischen Präsidenten López Obrador bedroht die Regenwälder auf der Halkbinsel Yucatan. Eine neue Zugstrecke soll Touristen aus Cancún von der karibischen Küste zu den archäologischen Pyramidenstätten im Landesinneren bringen. Die geplante 1.525 Kilometer lange Zugtrasse soll dazu quer durch einzigartige Regenwaldgebiete in fünf mexikanischen Bundesstaaten gebaut werden. Die Länge entspricht ungefähr der Distanz zwischen Hamburg und Rom! Die Zugstrecke droht sensible Biosphärenreservate der Selva Maya zu durchschneiden, Heimat von Jaguar, Tapir und Brüllaffe.

<leer>09.01.2019<leer>Tansania baut Staudamm im Welterbe Selous – Tansanias Präsident John Magufuli will 1.500 Quadratkilometer Wald und Savanne zur Abholzung freigeben. 2,6 Millionen Bäume sollen im UNESCO-Welterbe Selous für ein Staudammprojekt Platz machen. Die ökologischen Schäden wären nicht reparabel. Umweltschützer fürchten die endgültige Zerstörung des Schutzgebietes, das bereits geschädigt ist. Die Elefantenpopulation ist eingebrochen. Die UNESCO hat Selous deshalb im Jahr 2014 auf die Liste der „bedrohten Welterbe“ gesetzt.

2018 und früher