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Europäische Union
Immer mehr Palmöl
aus Regenwaldrodung
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NO2-Belastung 2017
65 Städte über dem GrenzwertWeitere Informationen

Umweltbundesamt
Trinkwasser in Deutschland
von guter Qualität
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Jemen
Luftangriff auf HochzeitsfeierWeitere Informationen

Umwelt
Mikroverunreinigungen
in Gewässern –
UBA gibt Empfehlungen
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Klimabilanz 2017
Emissionen gehen leicht zurückWeitere Informationen

Stickstoffdioxid
Erhebliche Gesundheitsbelastungen
durch Stickstoffdioxid
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Stickstoffdioxidbelastung
2017: Grenzwertüberschreitungen
in rund 70 Kommunen
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Umweltbundesamt
Klimagasemissionen
auch 2016 angestiegen
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Eigenwerbung


Europäische Union
Immer mehr Palmöl aus Regenwaldrodung

Forts. v. Startseite — Mit gesetzlichen Beimischungspflichten, Biospritzielen und Milliardensubventionen schreiben die EU und ihre Mitgliedsländer vor, dass Biosprit dem fossilen Kraftstoff beigemengt wird. Da Palmöl der mit Abstand billigste Rohstoff für die Biospritproduktion ist, verwenden immer mehr Kraftstoffproduzenten das tropische Pflanzenöl. „Es gibt eine ganz einfache Lösung“, erklärt Reinhard Behrend: „Die EU streicht Palmöl aus der Liste der für die Produktion von Biosprit zugelassenen Rohstoffe. Das EU-Parlament hat dies bereits entschieden, nun müssen noch die Mitgliedsländer zustimmen.“

Regenwald
Regenwald vor seiner RodungFoto: Kathrin Heidtmann

Seit Ende 2016 verhandelt die EU über die künftige Bioenergiepolitik. Das EU-Parlament hat im Januar 2018 mit großer Mehrheit beschlossen, dass Palmöl als Rohstoff für die Produktion von Biosprit und als Brennstoff in Kraftwerken 2020 auslaufen soll. Doch einige EU-Länder – vor allem Frankreich, Italien und Spanien – wollen das verhindern. Zusammen mit Indonesien, Malaysia und der Palmölindustrie betreiben sie intensive Lobbyarbeit in Brüssel.

Die Bundesregierung zeigt sich gegenüber dem Beschluss des EU-Parlaments nach eigenen Worten „flexibel“. Damit Deutschland dem Beschluss des EU-Parlaments zustimmen kann, muss dieser „in Übereinstimmung mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO stehen und gegebenenfalls modifiziert werden. Die EU-Kommission ist gebeten, einen solchen Vorschlag zu erarbeiten“, schreibt die Bundesregierung in einer Rettet den Regenwald vorliegenden offiziellen Antwort vom 28. Mai 2018 auf Anfrage des Bundestagsabgeordneten Amira Mohamed Ali zu den Palmölimporten und deren Verwendung in der Bundesrepublik Deutschland.

„Es ist völlig inakzeptabel, dass sich die Bundesregierung bei einer so wichtigen Frage hinter WTO-Regeln und der EU-Kommission versteckt“, so Reinhard Berend weiter. „Es geht um den Schutz der verbliebenen Regenwälder und bedrohter Arten wie den Orang-Utans“. Diese Woche treten die EU-Verhandlungen in die voraussichtlich letzte und entscheidende Runde ein. Rettet den Regenwald fordert die Bundesregierung und den federführenden Wirtschafts- und Energieminister Peter Altmaier auf, dafür zu stimmen, dass Palmöl aus der Erneuerbare Energien Richtlinie der EU gestrichen wird.
→www.regenwald.org

 

NO2-BelastungNO2-Belastung 2017
65 Städte über dem Grenzwert

Die Auswertung der Messdaten für NO2 im Bundesgebiet für das Jahr 2017 ist abgeschlossen. Demnach überschritten letztes Jahr 65 Städte den europaweit geltenden Grenzwert von 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft (µg/m³) im Jahresmittel.

Bei der vorläufigen Auswertung im Februar 2018 waren es noch 66 Städte. Rausgefallen ist Remscheid, welches nun mit 40 µg/m³ den Grenzwert einhält. 2016 hatten 90 Städte den Grenzwert überschritten. Weiterhin ist die Stadt mit den höchsten Belastungen 2017 München mit 78 µg/m³ im Jahresmittel, gefolgt von Stuttgart mit 73 µg/m³ und Köln mit 62 µg/m³.

 

Umweltbundesamt
Trinkwasser in Deutschland
von guter Qualität

Grenzwerte nur selten überschritten

Trinkwasser aus großen zentralen Anlagen besitzt in Deutschland weiter eine sehr gute Qualität. Das ist das Ergebnis des aktuellen Berichts zur Trinkwasserqualität des Umweltbundesamtes (UBA). Grenzwertüberschreitungen sind, wie schon in den Vorjahren, absolute Einzelfälle. Selbst der Problemstoff Nitrat, der im Grundwasser teilweise in überhöhten Konzentrationen auftritt – insbesondere dort, wo intensive Landwirtschaft betrieben wird – überschreitet im Trinkwasser seit mehreren Jahren nicht mehr den Grenzwert.

Auch bei nahezu allen mikrobiologischen und chemischen Qualitätsanforderungen halten über 99,9 Prozent der überwachten Proben die strengen rechtlichen Vorgaben ein. Das UBA hat im aktuellen Bericht für die Jahre 2014 bis 2016 die Ergebnisse der Untersuchungen aus allen größeren Wasserversorgungen veröffentlicht – diese versorgen rund 88 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Grundlage sind die Meldungen der Bundesländer an das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und das UBA.

Leine
Trinkbar erst durch aufwändige Aufbereitung: FließgewässerFoto: vs

Für Nitrat, das aus Kunstdünger und Gülle ins Grundwasser gelangen kann, bestätigen die neuen Daten den zuvor schon beobachteten Rückgang: Grenzwertüberschreitungen im Trinkwasser bleiben die seltene Ausnahme. Allerdings erlauben diese Daten zu Nitratgehalten im Trinkwasser keinen Rückschluss auf den Nitratgehalt in den Rohwässern, die zu Trinkwasser aufbereitet werden. Vor allem im Grundwasser steigt die Nitratkonzentration durch die Massentierhaltung und übermäßiges Düngen in der Landwirtschaft in etlichen Gegenden sogar weiter an. Das Trinkwasser selbst ist fast allerorten unbelastet – weniger als ein Promilleteil der Trinkwasserproben aus den größeren Wasserversorgungen liegt in Deutschland über dem Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter. Für die Einhaltung des Grenzwertes sorgen die Wasserversorger: Wo nötig, vermischen die Wassserversorger zu stark belastetes Grundwasser mit unbelastetem Wasser und stellen so die Trinkwasserqualität sicher. Allerdings kann eine Aufbereitung im Extremfall pro Kubikmeter Wasser (das sind 1.000 Liter) rund einen Euro mehr für die Verbraucherinnen und Verbraucher auf der Wasserrechnung bedeuten. Ein Zweipersonenhaushalt mit 80 Kubikmeter Wasserverbrauch zahlt dann nicht wie sonst durchschnittlich 95 Euro pro Jahr, sondern eher 140 Euro.

Von den 267 im Trinkwasser unter dem Parameter Pflanzenschutzmittel (PSM) und Biozidprodukte oder deren Metaboliten („Abbauprodukte“) überwachten Wirkstoffen überschritt nur eine geringe Anzahl den niedrigen Grenzwert von 0,1 Mikrogramm (entspricht 0,0001 Milligramm) pro Liter, und dies auch nur geringfügig. Aus den gemessenen Konzentrationen resultiert keine Gesundheitsgefahr. Um Stoffe mit gezielter Wirkung eines PSM oder Biozids grundsätzlich aus dem Trinkwasser fernzuhalten, liegt der Grenzwert für den einzelnen Wirkstoff weit unterhalb der Konzentration, die sich aus einer toxikologischen Ableitung für den jeweiligen Wirkstoff ergeben würde. Dennoch erfordert eine Nichteinhaltung, dass ihre Ursache geklärt und beseitigt wird.

Grenzwertüberschreitungen für das giftige Schwermetall Blei kommen nur in weniger als 0,1 Prozent der Proben vor. Schuld daran sind nicht die Natur oder Wasserwerke, sondern bleihaltige Leitungen oder Armaturen in den Häusern und Wohnungen selbst. Veraltete Installationen sind meist auch die Ursache, wenn zu viel Kupfer, Nickel und Cadmium im Wasser vorkommt. Dagegen hilft nur, zertifizierte Leitungen und Armaturen fachgerecht einzubauen. Für Blei gilt ein Grenzwert von zehn Mikrogramm pro Liter Trinkwasser. Die Betreiber von Wasserversorgungsanlagen sind verpflichtet, die Verbraucherinnen und Verbraucher darüber zu informieren, wenn noch Blei in ihrer Anlage verbaut ist – auch dann, wenn der Grenzwert eingehalten wird.

Die EG-Trinkwasserrichtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, alle drei Jahre einen Trinkwasserbericht vorzulegen. In Deutschland betrifft dies 2.490 Wasserversorgungsgebiete (WVG; dazu zählt auch das dazugehörige Leitungsnetz und die häusliche Trinkwasser-Installation), in denen durchschnittlich jeweils mehr als 1.000 Kubikmeter Wasser am Tag geliefert oder mehr als 5.000 Personen versorgt werden. Die in diesen Versorgungsgebieten verteilten 4.350,1 Millionen Kubikmeter Trinkwasser werden zu 69 Prozent aus Grundwasser und zu 15 Prozent aus Oberflächenwasser gewonnen, die verbleibenden 16 Prozent entfallen auf Uferfiltrat, künstlich angereichertes Grundwasser und sonstige Ressourcen.

 

Jemen
Luftangriff auf Hochzeitsfeier
Ärzte ohne Grenzen vor Ort

Teams der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen haben im Krankenhaus von Hadscha im Norden des Jemen nach einem Luftangriff auf eine Hochzeitsgesellschaft 63 Verwundete behandelt. Flugzeuge der von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten geführten Militärkoalition hatten am späten Abend des 22. Aprils eine Serie von Angriffen auf ein abgelegenes Dorf im Distrikt Bani Kais geflogen, wo die Feier stattfand. „Was in Bani Kais geschehen ist, ist empörend: 13 der Verletzten sind Kinder“, sagt João Martins, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Jemen. „Angriffe auf Zivilisten sind eine gravierende Verletzung des internationalen Völkerrechts. Die Menschen erreichten das Krankenhaus in Festkleidung, die traditionell zu Hochzeiten getragen wird. Niemand war bewaffnet oder kam in Militäruniform an.“

Die Angriffe fanden am Sonntag gegen 23 Uhr statt. Die Verwundeten wurden zunächst mit Eseln weggebracht, da die einzigen beiden Autos im Dorf bei den Angriffen zerstört worden waren. Ersthelfer und zwei Krankenwagen aus dem Krankenhaus in Hadscha kamen erst mit Verspätung im Dorf an, weil die Flugzeuge, die weiterhin über diesem kreisten, weitere Angriffe befürchten ließen. Die Krankenwagen transportierten schließlich bis zu sechs Verwundete gleichzeitig in das Krankenhaus. Den ersten Patienten nahm die Klinik um Mitternacht auf.

„Ich war im Hochzeitszelt, als ich die Luftangriffe hörte. Danach bin ich hingefallen und habe das Bewusstsein verloren“, erzählte der 12-jährige Kamal den Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen. „Als ich aufwachte, sah ich, dass die Menschen aus dem Zelt rannten. Einer meiner Cousins starb bei dem Angriff.“ Ein Mann, der 20 Minuten vor dem Angriff das Zelt verlassen hatte, berichtete von Leichen am Boden, überall sei Blut gewesen und Kinder hätten verzweifelt nach ihren Eltern gesucht. „Unter den Toten waren auch Kinder. Sie spielten draußen, während ihre Eltern im Zelt feierten. Dann gab es den Angriff“, sagte er. Viele Frauen und Kinder im Ort sind traumatisiert und wissen nicht, was mit ihren Angehörigen passiert ist. Die meisten Verletzten haben Gliedmaßen verloren oder wiesen Wunden durch Granatsplitter auf. Mindestens drei Patienten benötigten eine Amputation, darunter zwei Brüder, die beide einen Fuß verloren haben. Viele Bewohner von Hadscha kamen ins Krankenhaus, um Blut zu spenden. Innerhalb von zwei Stunden wurde genug für 150 Blutbeutel zur Behandlung der Verletzten gespendet.

„Konfliktparteien müssen nach den Grundsätzen der Verhältnismäßigkeit und der Vorsicht handeln“, fordert Landeskoordinator Martins. „Angriffe, die Zivilisten verletzen könnten, sind verboten. Die Regeln des Krieges werden im Jemen ständig verletzt. Alle Konfliktparteien müssen sich zum Schutz der Zivilbevölkerung verpflichten. Und alle Parteien, die den Konflikt mit dem Verkauf von Waffen anheizen, sollten ihrer Verantwortung gerecht werden und dafür sorgen, dass internationales Recht zum Schutz der Zivilbevölkerung eingehalten wird.“

Ärzte ohne Grenzen arbeitet im Jemen in 13 Krankenhäusern und unterstützt zusätzlich mehr als 20 Krankenhäuser oder Gesundheitszentren in 11 jemenitischen Provinzen: in Tais, Aden, Ad Dhale, Saada, Amran, Hadscha, Ibb, Sanaa, Abjan, Shabwa und Lahdsch.
→www.aerzte-ohne-grenzen.de

 

Umwelt
Mikroverunreinigungen in Gewässern – UBA gibt Empfehlungen
Vorsorgen statt sanieren, um Altlasten in Zukunft zu vermeiden

Forts. v. StartseiteArzneimittel: Für eine wirksame Kontrolle bei der Zulassung müssen die herstellenden Unternehmen alle Umweltdaten für eine Stoffbewertung offenlegen. Dies gilt auch für Arzneimittelwirkstoffe, die bereits lange auf dem Markt sind. Zudem sollte die Forschung zu umweltverträglichen Wirkstoffen verstärkt werden. Tierarzneimittelwirkstoffe mit schädlichen Umwelteigenschaften (persistent, bioakkumulierend, toxisch) sollten generell nicht zugelassen werden. Ärztinnen und Ärzte sowie Apothekerinnen und Apotheker müssen besser über die Umweltaspekte von Arzneimitteln informiert werden. Auch Patientinnen und Patienten müssen besser aufgeklärt werden: Wer Arzneimittel entsorgt, sollte dies nie über Spüle und Toilette tun.

Pflanzenschutzmittel (PSM): Insgesamt sollten deutlich weniger chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Dafür müssen der Ökolandbau ausgebaut und vorsorgende Maßnahmen im konventionellen Anbau, z.B. eine erweiterte Fruchtfolge, umgesetzt werden. Um Einträge in Gewässer bei und nach der Ausbringung zu minimieren, sollten dauerhaft bewachsene Gewässerrandstreifen entlang der Flüsse und Bäche angelegt werden, auf denen der Einsatz von PSM verboten ist. Bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln sollte Technik zum Einsatz kommen, die eine möglichst zielgenaue, verlustfreie und saubere Ausbringung gewährleistet.

Biozide (Mittel zur Schädlingsbekämpfung, Desinfektion und zum Materialschutz): Generell sollte der Einsatz von Bioziden auf das notwendige Maß minimiert werden. Einzelne Anwendungsbeschränkungen und Auflagen bei der Zulassung von Bioziden reichen nicht aus. Zusätzlich müssen belastbare Daten zu den Verkaufs- und Verwendungsmengen erhoben, Umweltbelastungen systematisch überwacht sowie übergreifende Vorgaben für den umwelt- und sachgerechten Gebrauch von Bioziden erlassen werden.

Abwasser: Da viele der vorgeschlagenen Maßnahmen einen längeren Vorlauf brauchen und nicht alle Einträge von Mikroverunreinigungen verhindern können, muss auch bei der Abwasseraufbereitung angesetzt werden. Chemikalien aus verschiedenen Anwendungen gelangen in die kommunalen Kläranlagen. Mit einer vierten Reinigungsstufe könnte deren Eintrag in die Gewässer effizient reduziert werden. UBA -Schätzungen gehen von Mehrkosten von durchschnittlich 16 Euro pro Person und Jahr für den Ausbau der großen Kläranlagen in Deutschland aus.

Über die Finanzierung und Umsetzung der vom Umweltbundesamt empfohlenen Maßnahmen ist eine gesellschaftliche Debatte nötig. Der vom Umweltministerium initiierte und vom Umweltbundesamt fachlich begleitete „Stakeholderdialog Spurenstoffe“ stellt hierfür eine geeignete Plattform dar. Dabei muss allen klar sein: Die Stoffeinträge von heute können morgen teure Altlasten werden.

 

Klimabilanz 2017
Emissionen gehen leicht zurück
Niedrigere Emissionen im Energiebereich, höhere im Verkehrssektor

Forts. v. Startseite — Im Verkehrssektor stiegen die Emissionen 2017 um 3,8 Millionen Tonnen auf 170,6 Millionen Tonnen (plus 2,3 Prozent) an. Ein Grund dafür ist, dass nach Daten des Kraftfahrtbundesamtes der Pkw-Bestand im Jahr 2017 um rund 1,5 Prozent anstieg. Mehr Autos auf der Straße lassen höhere Fahrleistungen und damit höhere Treibhausgasemissionen erwarten. Auch bei Lkw und Sattelzugmaschinen sind die Bestände 2017 deutlich gewachsen (+4,1 Prozent bzw. +4,4 Prozent). In Kombination mit der guten Konjunktur führte das zu mehr Gütertransporten auf der Straße. Dagegen tragen der schrumpfende Anteil von Diesel-Pkw und der wachsende Anteil von Benzin-Pkw bei den Neuzulassungen kaum zum Anstieg der Emissionen bei. Zusammen mit dem Trend zu stärker motorisierten Pkw verursacht dies nur ein Plus von maximal 0,2 Millionen Tonnen im Jahr 2017.

UBA -Präsidentin Maria Krautzberger: „Es ist falsch, dass wir nur mit dem Diesel unsere Klimaziele erreichen können. Wir brauchen generell weniger und viel sparsamere Fahrzeuge, egal mit was diese angetrieben werden. Die derzeit von der EU -Kommission vorgeschlagenen CO2 -Flottenzielwerte für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge für 2025 und 2030 sind nicht ausreichend. Hier müssen wir schnell nachsteuern, sonst werden wir die für 2030 gesteckten Klimaziele im Verkehr nicht erreichen.“

In der Industrie stiegen die Emissionen aufgrund der guten Konjunktur um 2,5 Prozent auf 192,9 Millionen Tonnen. Davon entfallen 1,6 Prozent auf den Anstieg der Prozessemissionen und 3 Prozent auf energetische Emissionen im verarbeitenden Gewerbe . Für Raffinerien, Stahlindustrie sowie die mineralische Industrie geht die Prognose von einer gestiegenen Produktion aus. Die Produktionsentwicklung in der chemischen Industrie führte insgesamt ebenfalls zu einer leichten Emissionszunahme.

Während in der Landwirtschaft die Treibhausgas -Emissionen nahezu stagnierten, gingen sie im Abfallsektor um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Dieser anhaltende Rückgang geht maßgeblich auf die Entwicklung im Bereich der Abfalldeponierung zurück. Seit 2005 dürfen in Deutschland keine biologisch abbaubaren Abfälle mehr deponiert werden – das macht sich neben Abfalltrennung und Recycling bei den Emissionen positiv bemerkbar.

Die Ergebnisse sind erste Detailschätzungen, also eine Prognose und keine finalen Zahlen. Erste verifizierte Emissionsdaten für die emissionshandelspflichtigen Anlagen der Energiewirtschaft und Industrie werden wie immer jährlich am 1. April bekanntgegeben.

 

Stickstoffdioxid
Erhebliche Gesundheitsbelastungen durch NO2
UBA-Studie ordnet Gesundheitsbelastung in Deutschland ein

Forts. v. Startseite — Um auch den Einfluss von Spitzenbelastungen beurteilen zu können, wurde zusätzlich der verkehrsbezogene Anteil an der Krankheitslast durch NO2 exemplarisch für ausgewählte Modellregionen sowohl in Ballungsgebieten als auch in einem Flächenland geschätzt. Hier ergibt sich eine Erhöhung der Krankheitslast um bis zu 50 Prozent gegenüber den Regionen, in denen nur die Hintergrundbelastung zugrunde gelegt wurde. „Dies belegt, dass die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle im Zusammenhang mit Stickstoffdioxid an stark belasteten Standorten deutlich höher liegt“, so Krautzberger.

Insgesamt sinkt die Belastung mit Stickstoffdioxid seit einigen Jahren leicht, allerdings werden die Grenzwerte vielerorts immer noch nicht eingehalten, wie auch die aktuellen Daten für das Jahr 2017 zeigen. „Eine bedeutende Ursache für schädliche Stickoxide in der Atemluft sind eindeutig Diesel-Pkw – auch außerhalb der hochbelasteten Straßen“, so Maria Krautzberger.

Für die aktuelle Studie wurde eine Vielzahl bereits publizierter wissenschaftlicher Untersuchungen ausgewertet. Es wurde zunächst geprüft, für welche gesundheitlichen Auswirkungen verlässliche statistische Zusammenhänge mit NO2-Belastungen nachgewiesen wurden. Hierzu wurden epidemiologische Studien recherchiert, deren Ergebnisse auf die deutsche Bevölkerung übertragbar sind.

Mess- und Modelldaten zur Stickstoffdioxid-Konzentration wurden mit Informationen zur Bevölkerungsdichte kombiniert. Die Verschneidung dieser Daten erlaubte eine Aussage über die Höhe der NO2-Belastungen, der die Menschen in Deutschland im Jahresdurchschnitt ausgesetzt waren. Verknüpft mit relevanten Statistiken zur Gesundheit der Bevölkerung (zum Beispiel der Todesursachenstatistik) und unter Nutzung des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelten Konzepts zur Berechnung der umweltbedingten Krankheitslast (Environmental Burden of Disease) wurde berechnet, wie viele Erkrankungen und Todesfälle in Deutschland statistisch gesehen auf die Belastung durch Stickstoffdioxid zurückzuführen sind. Die Studie wurde für das UBA vom Helmholtz Zentrum München und der IVU Umwelt GmbH durchgeführt.

 

Stickstoffdioxidbelastung
2017: Grenzwertüberschreitungen in rund 70 Kommunen
Nachrüstung mit Katalysatoren nötig

Forts. v. Startseite — Den Rückgang der mittleren Stickstoffdioxidbelastung an verkehrsnahen Messstationen im Jahr 2017 um zirka zwei Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel wertet das UBA als Indiz dafür, dass die durch die Dieseldebatte angestoßenen Maßnahmen in den Städten anfangen zu wirken. So wurden beispielsweise örtlich Tempolimits eingeführt sowie durch Straßenverengung der Verkehr reduziert, es wurden öffentliche Verkehre gefördert und Busse nachgerüstet. Bundesweit wurden Autos mit hohen Realemissionen durch Software-Updates hinsichtlich ihrer NOx-Emission leicht verbessert. Außerdem erneuerte und veränderte sich die Fahrzeugflotte hin zu weniger Dieseln: Das Kraftfahrbundesamt (KBA) zeigt in seinen Neuzulassungszahlen 2017 eine Verschiebung hin zu benzinbetriebenen Pkw. Ihr Anteil steigt um über elf Prozent gegenüber 2016, Diesel verlieren über 15 Prozent.

Wie sich die einzelnen Maßnahmen jeweils auf die Luftqualität auswirken, lässt sich mit den vorliegenden Daten derzeit nicht exakt bestimmen. Die NO2-Messdaten und deren Rückgang bestätigen allerdings, dass Software-Updates und der Rückkauf alter Diesel-Pkw (Umtauschprämie) nur ein begrenztes Minderungspotential aufweisen. Nach Berechnungen des UBA könnte die NO2-Luftbelastung durch die beiden Maßnahmen maximal zwischen zwei und fünf Mikrogramm pro Kubikmeter Luft sinken. Wichtig: Beide Maßnahmen wirken erst seit Ende 2017.

In der vorläufigen Jahresauswertung „Luftqualität 2017“ betrachtet das UBA neben Stickstoffdioxid auch Feinstaub und Ozon.

Feinstaub (PM10)
Die Feinstaubbelastung war 2017 im Vergleich zum Zeitraum 2005 bis 2016 geringer. Außer zu Beginn des Jahres blieben besonders feinstaubbegünstigende Wetterlagen aus. 2017 gehörte mit den beiden Vorjahren zu den am geringsten mit Feinstaub belasteten Jahren. Nur an der verkehrsnahen Messstation am Stuttgarter Neckartor wurde mit 45 Tagen erneut der Grenzwert überschritten (PM10-Tagesmittelwerte über 50µg/m³ an mehr als 35 Tagen im Jahr). Allerdings sollen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Werte an höchstens drei Tagen pro Jahr über 50µg/m³ liegen. Dieses Ziel überschreiten 87 Prozent aller Messstationen in Deutschland. Zum Schutz der menschlichen Gesundheit sollte nach Auffassung des UBA der von der WHO empfohlene Wert eingehalten werden. Es bedarf also weiterer Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen, um das Gesundheitsrisiko durch Feinstaub weiter zu verringern. Zukünftig ist es verstärkt notwendig, besonderes Augenmerk auf die nicht-verbrennungsbedingten Partikelemissionen aus dem Abrieb von Bremsscheiben, Kupplungen und Reifen zu legen.

Ozon
Die Ozonkonzentrationen waren 2017 im Vergleich zu den letzten 20 Jahren niedrig. Anders als der Hitzesommer 2015 war der Sommer 2017 eher wechselhaft und es traten keine lang anhaltenden Schönwetterperioden auf, die die Ozonbildung hätten begünstigen können. Dennoch kam es an 17 Prozent aller Messstationen zu Zielwert-Überschreitungen (der maximale Ozon-8-Stunden-Wert eines Tages darf an höchstens 25 Tagen pro Kalenderjahr – gemittelt über 3 Jahre – den Wert von 120µg/m3 überschreiten).

 

Umweltbundesamt
Klimagasemissionen auch 2016 angestiegen
Emissionen des Verkehrssektor höher als 1990

2016 wurden in Deutschland insgesamt 909,4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen. Das sind 2,6 Millionen Tonnen mehr als 2015 und die zweite Steigerung in Folge. Dies zeigen Berechnungen, die das Umweltbundesamt (UBA) jetzt an die EU berichtet hat. Die Emissionen des Verkehrs sind erneut angestiegen und liegen mit 166,8 Millionen Tonnen wieder oberhalb der Emissionen des Jahres 1990. Den größten Anteil mit 96 Prozent daran hat der Straßenverkehr, dessen Emissionen um 3,7 Millionen Tonnen angestiegen sind. Grund dafür ist, dass immer mehr Güter auf der Straße transportiert werden.

Auch bleibt der Trend zu immer größeren und schwereren Autos ungebrochen. „Wir brauchen ein Umsteuern im Verkehr: Laut Klimaschutzplan der Bundesregierung sollen bis 2030 die Emissionen des Verkehrs um rund 70 Millionen Tonnen sinken. Das kann auch gelingen, wenn die Autos deutlich sparsamer werden und wir eine Quote für Elektroautos bekommen. Der gesetzliche Rahmen stimmt aber nicht. Wir empfehlen der EU daher vor allem, bei Autoneuzulassungen ab 2025 nicht mehr als 75 Gramm/CO2 pro Kilometer im Schnitt der Flotte zu erlauben. Der aktuelle Entwurf der Kommission für CO2-Grenzwerte bei Pkw ist zu wenig ambitioniert.“, sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger.

Klimagasemissionen

Die größten CO2 -Minderungen gab es mit 4,6 Millionen Tonnen in der Energiewirtschaft, obwohl die Stromexporte gestiegen sind. Der Energiesektor macht mit 332,1 Millionen Tonnen im Jahr aber immer noch den Großteil der Emissionen aus (36,5 Prozent). „Wenn wir im Klimaschutz schnell etwas erreichen wollen, dann müssen wir uns um die Kohleverstromung kümmern. Ich rate weiter dazu, Braun- und Steinkohlekraftwerke, die älter als 20 Jahre sind, nur noch mit maximal 4.000 Volllaststunden pro Anlage pro Jahr laufen zu lassen. Zudem sollten mindestens 5 Gigawatt der ältesten und ineffizientesten Braunkohlekraftwerke ganz stillgelegt werden.“, so Krautzberger. “Auch für unsere Klimaziele bis 2030 ist entscheidend, dass die Energiewirtschaft einen großen Teil der Reduktion schultert. Das geht nur, wenn wir schnell mit der Stilllegung von älteren bzw. ineffizienten Braun- und Steinkohlekraftwerken anfangen. Sonst besteht die Gefahr, dass wir nicht nur unsere Klimaziele für 2020 verpassen, sondern auch zum Ende des nächsten Jahrzehnts erneut in Schwierigkeiten kommen.“ In 2016 hat Deutschland seine Emissionen nur um 27,3 Prozent gegenüber 1990 senken können; ursprünglich hatte die Bundesregierung für 2020 eine Minderung von 40 Prozent angestrebt, die voraussichtlich deutlich verfehlt werden wird.

Die Emissionen aus der Wärmeversorgung von Gebäuden stiegen witterungsbedingt gegenüber 2015 wieder um 3,6 Millionen Tonnen, da mehr Energie für das Heizen verwendet wurde. Krautzberger: „Bei den Gebäuden gibt es ein enormes Einsparpotential; sei es durch eine effizientere Wärmedämmung, Heizungssanierungen oder mehr erneuerbare Energien.“ In der Landwirtschaft sanken 2016 die Emissionen leicht gegenüber dem Vorjahr auf 65,2 Millionen Tonnen; ausschlaggebend ist ein geringerer Einsatz von mineralischen Düngern. Dagegen sind die Emissionen in der Industrie leicht um 1,4 Prozent angestiegen, insbesondere durch die Zunahme in der Metallindustrie.

Mit 88,2 Prozent dominierte auch 2016 Kohlendioxid (CO2) die Treibhausgasemissionen – größtenteils aus der Verbrennung fossiler Energieträger. Die übrigen Emissionen verteilen sich auf Methan (CH4) mit 6 Prozent und Lachgas (N2O) mit 4,2 Prozent, dominiert durch die Landwirtschaft. Gegenüber 1990 sanken die Emissionen von Kohlendioxid um 23,9 Prozent, Methan um 54,4 Prozent und Lachgas um 41,1 Prozent.

Fluorierte Treibhausgase (F-Gase) verursachen insgesamt nur etwa 1,7 Prozent der Treibhausgasemissionen, haben aber zum Teil sehr hohes Treibhauspotenzial. Hier verläuft die Entwicklung weniger einheitlich: In Abhängigkeit von der Einführung neuer Technologien sowie der Verwendung dieser Stoffe als Substitute sanken die Emissionen von Schwefelhexafluorid (SF6) bzw. Fluorkohlenwasserstoffen (FKW) seit 1995 um 40 bzw. 87,5 Prozent. Die Emissionen der halogenierten FKW (H-FKW) sind seitdem um 31,1 Prozent anstiegen. Die Emissionen von Stickstofftrifluorid (NF3) stiegen auf niedrigem Niveau seit 1995 um 110,7 Prozent an, gehen aber seit 2010 wieder sehr schnell zurück.

 

 

 
             
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